Thomas Betschart

Hoffnungswort zum Sonntag, 24. Mai 2020

Nische in der Pfarrkirche St. Nikolaus, Auw<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>pfarrei-oberaegeri.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>176</div><div class='bid' style='display:none;'>2893</div><div class='usr' style='display:none;'>2</div>

«Mein Leitstern ist das Evangelium»
Die Kirche gedenkt am 19. Mai der ersten Heiligen Frau der Schweiz: Maria Bernarda Bütler.
Vielleicht ist sie Ihnen nicht bekannt. Mich verbindet mit dieser Heiligen, dass ich ein paar Jahre in ihrem Geburtsort leben und wirken durfte. Gerne stelle ich Ihnen die Hl. Maria Bernarda kurz vor:

Unweit der Zuger Grenze in Auw im Freiamt AG ist Maria Bernarda am 28. Mai 1848
als Verena Bütler zur Welt gekommen und mit sieben Geschwistern aufgewachsen.
Schon früh verspürte sie den Wunsch, ihr Leben Gott zu weihen. Sie trat ins Kloster Hl. Kreuz in Menzingen ein, doch das Heimweh plagte sie so sehr, dass sie wieder heimkehrte. Auf Anraten des Pfarrers von Auw trat sie am 12. November 1867 ins Kloster Maria Hilf Altstätten SG ein. Mit dem Ablegen der Gelübde erhielt sie ihren Ordensnamen «Maria Bernarda». Sie war beliebt und wurde sehr geschätzt. Ihre Mitschwestern wählten sie 1880 zur Oberin.

1887 kam sie in Kontakt mit dem Franziskaner Orden in Amerika. Die Bitte um Schwestern, welche sich in Amerika engagieren, erreichte das Kloster Maria Hilf. Nachdem sie das Oberinnenamt abgegeben hatte, brach Maria Bernarda am 19. Juni 1888 mit sechs Mitschwestern nach Ecuador auf. Dort gründete sie die Kongregation der «Franziskaner Missionsschwestern von Maria Hilf».

Ihr Arbeitsfeld war Chone, ein Ort von etwa 13.000 Einwohnern. Die Schwestern setzten sich vor allem für die Bildung, Familienarbeit und Katechese ein. Die Kongregation wuchs und schon bald entstanden weitere Schwesternniederlassungen in Ecuador.
1895 brach eine gewaltsame Verfolgung aus und die Schwestern mussten Ecuador verlassen. Sie flohen nach Kolumbien. Am 2. August 1895 bezogen die Schwestern einen Flügel des Frauenspitals in Cartagena.

Im franziskanischen Geist wirkten Maria Bernarda und ihre Mitschwestern unter den Armen, um ihre Nöte an Leib und Seele zu lindern. Bald wurden in Brasilien, Österreich und der Schweiz Niederlassungen gegründet. Den Schwestern pflegte sie stets zu raten: «Öffnet eure Häuser, um den Armen, Kranken und Ausgestossenen zu helfen».

Als sie am 19. Mai 1924 starb, war sie 76 Jahre alt. In Windeseile verbreitete sich die Nachricht von ihrem Tod. In der Kathedrale von Cartagena sagte der Pfarrer: «Heute früh ist in unserer Stadt eine Heilige gestorben, die ehrwürdige Mutter Bernarda». Ihr Grab wurde schnell zu einem Wallfahrtsort und einer Stätte des Gebetes.

Die Liebe und der Missionsgeist von Mutter Maria Bernarda, wie sie in Südamerika genannt wurde, leben fort in ihrer Kongregation, die sich über 10 Länder und in drei Kontinenten verbreitet hat.

Maria Bernarda lebte und handelte ganz nach dem Evangelium, deshalb bekannte sie auch:

«MEIN LEITSTERN IST DAS EVANGELIUM»

Am 29. Oktober 1995 wurde Maria Bernarda Bütler selig- und am 12. Oktober 2008 in Rom heiliggesprochen.

Maria Bernarda war eine fleissige Schreiberin: über 2000 Briefe, 37 Tagebücher. Hier ein paar Zitate von ihr: «Ein weites Herz müsst ihr haben!»

«Klammere dich fest an den Anker der Hoffnung. Lege dich zaglos in Gottes Arme.»

«In der Schule lernte ich, was ich musste, um nicht ganz dumm zu bleiben. Ich rechnete nicht gern und schrieb schlecht. Das einzige, was ich willkommen hiess, waren Beschreibungen aus dem Reich der Natur.»


Vielleicht möchten Sie diese heilige Frau noch etwas näher kennenlernen. Das Geburtshaus in Auw steht noch, in der Kirche St. Nikolaus Auw findet sich der Taufstein, eine Nische mit der Reliquie der Heiligen. Besonders einladend ist der rund 1 km lange Besinnungsweg mit bewegten und bewegenden Symboliken, die zur Besinnung anregen. So wird am Ende des Weges klar: Maria Bernarda bleibt bis heute eine besondere Frau, die Zeugnis für das Evangelium ablegte. Sie lehrt uns, wie das Evangelium zu unserem Leitstern wird, wie wir Gebet und Arbeit, Leben im Dienst an Gott und Dienst am Nächsten miteinander verbinden können und so zu «Leitsternen» füreinander werden. Darauf dürfen wir uns gerade auch in schwierigen Zeiten besinnen.

Margrit Küng, Gemeindeleiterin Unterägeri und Allenwinden
Bereitgestellt: 13.03.2020      
aktualisiert mit kirchenweb.ch