Thomas Betschart

Hoffnungswort zum Muttertag

Muttertag —  Mami ist die Beste<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenweb.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>203</div><div class='bid' style='display:none;'>1222</div><div class='usr' style='display:none;'>1</div>

Viele erwachsene Söhne und Töchter besuchen am Muttertag ihre Mutter. Damit drücken sie ihre Dankbarkeit und Wertschätzung für alles aus, was sie ihnen seit der Geburt an Liebe, Unterstützung und Förderung gegeben hat.
In diesem Jahr werden viele ältere Mütter vergeblich auf den Besuch ihrer Kinder warten. Zumindest wird das gemeinsame Mittagessen ausfallen. Der kleine Ausflug sowieso. Denn nach wie vor sind die Menschen zur Vorsicht bei sozialen Kontakten aufgerufen. Bei älteren Menschen soll der direkte Kontakt wenn möglich ganz vermieden werden.

Ob meine Mutter das gemeinsame Mittagessen am Muttertag vermissen wird, weiss ich nicht. Zumal sie mehr und mehr in ihrer eigenen Welt lebt. Und zu dieser Welt habe ich keinen Zugang. Nur bei den fast täglichen Anrufen können meine Schwester und ich sie für ein paar Augenblicke ins Jetzt hineinholen, indem wir von unserem und dem Leben unserer Kinder erzählen.
Noch vor wenigen Monaten bekamen wir mit, was unsere Mutter beschäftigte: Vor allem die Vergangenheit. Gerne erzählte sie von früheren Erlebnissen mit den Grosskindern und schönen Ehejahren. Oft erzählte sie aber auch vom Schweren, das ihr im Leben widerfahren war: Vom frühen Tod ihrer leiblichen Mutter. Vom Getrenntsein von ihren Schwestern, bis der Grossvater wieder heiratete. Von durchlebten Ängsten bei Fliegeralarmen während dem 2. Weltkrieg, wenn sie als siebenjähriges Mädchen alleine unterwegs war.

Demenz ist eine Krankheit des schrittweisen Abschiednehmens. Zum Abschiednehmen gehören neben Trauer, Wut und Enttäuschung hoffentlich auch Friedenschliessen mit dem Vergangenen und Dankbarkeit für so manches Gewesene.

Abschiednehmen müssen aber nicht nur die Erkrankten, sondern auch ihre Angehörigen. Sie müssen sich von Vorstellungen und alten Rollenbildern verabschieden. Und deshalb gehören Trauer und Dankbarkeit auch zu ihrer Situation.

Am Muttertag ist es vielen Töchtern und Söhnen ein Bedürfnis, ihrer Mutter für das Gewesene zu danken. In diesem Jahr ist das nicht in der gewohnten Form möglich. Doch Dankbarkeit zeigt sich nicht nur beim gemeinsamen Mittagessen am zweiten Maisonntag. Dankbarkeit macht sich nicht an einem zeitlich begrenzten Moment fest. Dankbarkeit ist eine Haltung. Und diese Haltung zeigt sich auch in der Art, wie Kinder ihre neue Rolle gegenüber den auf Unterstützung angewiesenen Eltern annehmen.

Alles Gute zum Muttertag.

Christof Arnold, Gemeindeleiter von Menzingen und Neuheim
Bereitgestellt: 06.03.2020     Besuche: 127 Monat 
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