Thomas Betschart

Hoffnungswort zum Sonntag, 19. April

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Barmherzigkeitssonntag
An vielen Orten würde heute die Erstkommunion (Weisser Sonntag) gefeiert, was im Moment leider nicht geht. Darüber tritt oft in den Hintergrund, dass die Kirche gleichzeitig den Barmherzigkeitssonntag feiert. Diesem widme ich heute meine Gedanken:

Kennen Sie den Rheinfall in Schaffhausen? Ganz unten gibt es eine kleine Aussichtkanzel, die einen guten Blick auf das tosende Wasser ermöglicht. Die folgende Geschichte handelt an einem Ort wie diesem:

Der Leiter hatte einige Stammesführer der Wüstenbewohner zu einem kräftigen Wasserfall gebracht. Dumpf rauschend fiel er herab. Sie hatten sofort von dem Wasser gekostet. Es war süss. Sie standen stumm und starren auf die Wasserfülle. Wasser, das in der Wüste sein Gewicht in Gold wert ist! Es war ihnen, als wenn die Wasservorräte der ganzen Welt aus einem lecken Speicher auszulaufen drohten.
Schliesslich sagte der Leiter der Gruppe: «Gehen wir weiter!» Sie aber rührten sich nicht von der Stelle und baten nur: «Noch einen Augenblick!»
Weiter sprach keiner ein Wort. Stumm und ernst schauten sie: Hier lief aus dem Bauch des Berges so viel heiliger Lebensstoff, dass er ganze verschmachtende Karawanen zum Leben erwecken könnte. Hier zeigte sich Gott für sie sichtbar. Hier konnte man nicht einfach weitergehen.
Der Führer mahnte wieder: «Weiter ist hier nichts zu sehen. Kommt!»
Sie antworteten: «Nein. Wir müssen warten!»
«Worauf denn?»
«Bis es aufhört!»*


Wir feiern heute den Barmherzigkeitssonntag, wobei das Augenmerk nicht auf unser barmherziges Handeln gelegt wird, sondern auf die Barmherzigkeit Jesu und unseres himmlischen Vaters. Diese Barmherzigkeit fliesst aus dem tiefsten Wesen der Dreieinigkeit uns Menschen zu – Luther würde ein «unverdient» dazwischensetzen. Jesus wendet sich allen Menschen zu, im Besonderen jenen, die sich in schuldhaftes Verhalten verstrickt haben. Ihnen sagt er das Erbarmen und Verzeihen sowie das Ewige Leben zu. «Ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein», verspricht er dem Schächer am Kreuz.

Und diese göttliche Barmherzigkeit fliesst «wie ein nie endender Wasserfall inmitten der Wüste». Können wir, in Anlehnung an die Geschichte, darüber staunen? Ist uns diese Barmherzigkeit kostbar, wie uns nur Lebensnotwendiges kostbar ist? Sehnen wir uns nach dieser Barmherzigkeit in der Wüste unseres Lebens? Haben wir das Bewusstsein darüber, dass wir dieser Barmherzigkeit bedürfen? Und lassen wir uns dadurch von schlechten Verhaltensmustern (er)lösen?

Loben wir heute Gott für seine Barmherzigkeit und lassen wir uns von ihm aufrichten und stärken für die Anforderungen in unserem Leben.

Jacqueline Bruggisser, Pfarreiseelsorgerin Oberägeri
*aus: «Geschichten wie kostbare Perlen», Hg. Willi Hoffsümmer, Grünewald, S. 18
Bereitgestellt: 03.03.2020     Besuche: 59 Monat 
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