Thomas Betschart

Am Rand – Im Gespräch mit Prof. Thierry Carrel

Am Rand - Prof. Thierry Carrel<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>pfarrei-oberaegeri.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>116</div><div class='bid' style='display:none;'>1715</div><div class='usr' style='display:none;'>2</div>

Wenn ein Mediziner über das Herz spricht, erwartet man eine naturwissenschaftliche Sicht, doch dieses Gespräch führte weit darüber hinaus - bis an den Rand. Man hätte eine Nadel auf den Boden fallen hören, so still und aufmerksam folgten die 220 interessierten Personen den Gedanken von Prof. Thierry Carrel.
Im Gespräch mit Paul Oesch, Co-Präsident des Pfarreirats, ging Thierry Carrel aus verschiedenen Blickrichtungen auf seine Arbeit als Herzchirurg ein. Eine Prägung sei für ihn das von Jesuiten geführte Gymnasium gewesen, die der Philosophie und dem Humanismus viel Platz eingeräumt hätten. Dies kam und komme ihm heute zugute. Seine Motivation läge für Thierry Carrel darin, mit seinen Fingern bei der Operation am Herzen, das Leben, ja das Überleben eines Menschen, ermöglichen zu können. In seltenen Fällen sei dies nicht möglich, weil Herzkrankheiten immer sehr schnell verliefen und ein Teil der Patientinnen und Patienten bereits in einem sehr schlechten Zustand, meist nach Reanimationen, ins Spital gebracht werden. Diese Momente gelte es auszuhalten und dabei zu klären, was medizinisch oder organisatorisch hätte besser laufen können.

Neben seiner Tätigkeit am Inselspital in Bern begleitet und unterstützt Thierry Carrel zusammen mit weiteren Ärzten ein Spital in Perm - hinter dem Uralgebirge in Russland gelegen - das Kinder und Jugendliche mit schweren Herzfehlern operiert, die ansonsten sterben würden. Wenn er dort in einer seiner Ferienwochen 25 Kinder operiere, sein Wissen an die Ärzte vor Ort weitergebe und dann das Flugzeug beim Rückflug direkt über dem Spital starte, sei dies für ihn immer sehr emotional. Wie würde es den Kindern in den nächsten Stunden und Tagen ergehen? Würde die Pflege optimal verlaufen und so das Leben der Kinder gerettet? In diesen Momenten erkenne er jeweils, wie dankbar wir hier für unsere medizinische Versorgung sein dürfen und wie klein unsere Sorgen eigentlich sind.

Wie er seinen Beruf, seine Familie und diese zusätzlichen Engagements unter einen Hut bringe, wurde Thierry Carrel gefragt. Mit einem Augenzwickern entgegnete er: „Wenn sie eine Person für etwas suchen, fragen sie am Besten jemanden, der schon vielbeschäftigt ist.“ Dennoch brauche und finde auch er Zeit für einen Ausgleich, sei es beim Velofahren, beim Tagebuchschreiben oder beim Musizieren.

Auch der dritte Gesprächsabend, der aus Platzgründen in die Maienmatt verlegt werden musste, wurde von Marcel Schmid und seinem Saxophon musikalisch umrahmt. Auf diese Weise wurden dem Publikum Momente des Nachdenkens über das Gehörte ermöglicht. Passend zur Karwoche wurde der Abend mit Wasser, Brot und vielen angeregten Gesprächen abgeschlossen.

Thomas Betschart
Bereitgestellt: 28.03.2018     
aktualisiert mit kirchenweb.ch